Lernstube "Haus für Kinder" der Stadt Erlangen

Das Würzburger Raumgestaltungsmodell nach Prof. Mahlke in der Sonderpädagogischen Tagesstätte Lernstube „Haus für Kinder“ der Stadt Erlangen

Johanna Vogel, ist Erzieherin mit Zusatzausbildung in Gestaltpädagogik und Pädagogin für psychosomatische Gesundheitsbildung und NLP Ausbildung. Sie arbeitet seit 27 Jahren in leitender Funktion in der Sonderpädagogischen Tagesstätte der Stadt Erlangen.

Hier ihr Erfahrungsbericht:
Das Haus, aus dem Jahr 1951, wurde um gebaut, von Grund auf saniert und innenarchitektonisch nach dem Würzburger Modell gestaltet.

Im Eingangsbereich werden die Kinder nach der Schule in einem mit warmen Erdtönen gestalteten Eingangsbereich willkommen geheißen. Er bietet soviel Platz, dass eine Gruppe von Kinder hereinkommen kann ohne zu schubsen oder zu drängeln. Ein tägliches Konfliktfeld hat sich dadurch aufgelöst.
Wegweisend gehen von diesem Eingangsbereich zwei Garderoben ab. Durch die klare Struktur der Garderoben: eigenes Fach, eigener Haken und Schuhfach, erkennbar durch Symbole, erlebt das Kind gleich zu Beginn, dass es einen festen Platz in der Gruppe hat. Eigene Schultaschenregale und Eigentumsfächer tragen mit bei, sich im Raum zu orientieren und zu ordnen  
Die hellen Gruppenräume sind durch Nischen, Podeste und Spielebenen so gestaltet, dass die Kinder verschiedene Ebenen und Perspektiven im Raum erfahren und diese auch innerlich einnehmen können. So kann das einzelne Kind seinem Bedürfnis nach Gemeinschaft oder Ruhe und auch der Möglichkeit, sich alleine ungestört zu beschäftigen, nachgehen.

Unterschiedliche Bodenerfahrung durch verschiedene Materialien: Linoleum, Kork, Fliesen, Teppich vermitteln den Kindern die Erfahrung von Unterstützungsflächen für unterschiedliche Bereiche im Raum und wirkt mit bei der Verhaltenssteuerung -. eine sehr wertvolle, subtile Unterstützung für die Pädagogik.

Die Gruppenräume vermitteln durch Farb- und Lichtgestaltung, in Harmonie mit den Holzeinbauten, ein Gefühl von Geborgenheit, Stabilität, Struktur und Ordnung. Durch eine sinnvoll geplante Raumgestaltung ist viel Platz entstanden, Spiel- und Lernmaterial so zu präsentieren, dass das Kind einen Aufforderungsappell erhält, ohne Reizüberflutung.
Dies dient den Kindern als Motivation sich mit Neuem zu beschäftigen und allmählich stereotypische Beschäftigungen los zu lassen.
Ein großer Teil der Kinder zeigt Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsstörungen. Hören, sehen, spüren, diese Sinnesanregungen aufnehmen, verarbeiten und in befriedigende Handlung umzusetzen ist für die Kinder nicht selbstverständlich.
Eingebaute Nischen bieten hier Ruhe und Grenzen um sich einlassen können auf das, was gerade ist.
Sie gestalten den Rahmen für befriedigendes Verarbeiten von Sinneseindrücken und dies spannt für jedes einzelne Kind in sich wieder einen Raum sich neu zu strukturieren und zu orientieren. So ergänzen sich Innen- und Außenerfahrung.
Werk- und Therapieraum bieten das Setting für ungestörte pädagogische Förderarbeit und heilpädagogische Stunden.


Beispiel der Raumgestaltung als Unterstützungsflächen zum Lernen:
Eine Lerngruppe zum Lehrstoff Wald sitzt zusammen. Blätter und Früchte der Bäume werden anschaulich zugeordnet und benannt.
Ein Kind erwähnt, dass die Lehrerin gesagt habe, dass ein Baum das Holz für stabile Möbel gäbe. Daraufhin wurden Tische, Stühle, Sitzbank und Holzwand durch Klopfen, Heben, Rütteln, Fühlen und Riechen getestet.
Astansätze wurden mit Fingern nachgefahren und gezählt. Dabei tat sich die Frage auf, ob Bäume auch sterben.
Dieses, für Kinder immer interessante Thema -Wandel des Lebens- brachte Nachdenken und Stille in die Gruppe und jedes Kind hat aus seinen eigene Erfahrung damit erzählt.
Ein Kind erwähnte die große Säge, die einmal während der Umbauphase hier stand. Es hatte Holzstückchen gesammelt und möchte sich nun im Werkraum ein Bett für ihre Barbie Puppe schreinern So fand ganzheitliches Lernen in einer gemütlichen, mit Naturmaterialien stabil eingebauten Sitzecke, statt. Dieses Lernen mit Kopf, Herz und Hand ist ganzheitliches Lernen das durch die Raumgestaltung wesentlich mit unterstützt wird.
Die pädagogische Führung und der gestaltete Raum als Erfahrungsfeld sprechen alle Lernebenen an und ist das Setting, von dem handlungsbestimmende Kräfte ausgehen.

Zum schulischen Lernen hat jedes Kind seinen festen Platz. Die Plätze sind so konzipiert, dass wenig Ablenkung von außen möglich ist und das Kind sich somit gut konzentrieren kann. Die äußere Grenze führt zu innerer Ruhe und Ordnung. Die Kinder machen die Erfahrung von effektiverem Lernen. Eine Stunde reicht in der Regel aus, um die Lern- und Hausaufgabenphase für das einzelne Kind erfolgreich abzuschließen.
Die Raumgestaltung der Räume bietet den Kindern vielfältige Möglichkeiten, ihr Lebensfeld zu schmücken und zu dekorieren.

Unsere Erfahrung:
Die Raumempfindung ist eine sehr subtile Erfahrung von Kindern und Erwachsenen und hat eine große Wirkung auf die Seele und die Wertschätzung des eigenen Selbst.
Der Raum gestaltet nach dem Würzburger Modell von Prof. Mahlke im Detail geplant von Dipl. Ing. Roland Bayer, 2. Vorsitzender des Vereins „Bauen für Geborgenheit“ und ausgeführt von der Mitgliedsschreinerei Horner,
bietet eine natürliche, liebevolle geschaffene Atmosphäre zur ganzheitlichen Entwicklung von kleinen und großen Menschen.
„Nicht die Atombombe ist das Problem unserer Zeit, sondern das allzu vernachlässigte menschliche Herz“ hat Albert Einstein einmal gesagt.

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Planung: Dipl. Ing. Roland Bayer, Altdorf
Handwerkliche Ausführung: Schreinerei Horner, Kasendorf